Wintereinbruch in Hamburg
Es war der 12. Dezember, und Hamburg fühlte sich an wie eine Stadt aus Glas. Die Wettervorhersage hatte von einer „ arktischen Anomalie “ gesprochen, doch niemand hatte wirklich begriffen, was das bedeutete, bis das Thermometer innerhalb von sechs Stunden von plus vier Grad auf minus zweiundzwanzig Grad stürzte. Es war nicht der normale, feuchte Hamburger Winterfrost , den man mit einem dicken Wollschal und einer Tasse Tee wegatmen konnte. Es war eine trockene, bösartige Kälte , die aus Sibirien herübergepeitscht war und die Feuchtigkeit der Elbe in Sekundenschnelle zu mikroskopischen Eiskristallen gefroren hatte. Elias stand am Fenster seiner Altbauwohnung in Eimsbüttel und beobachtete, wie sein eigener Atem weiße Wolken gegen die Scheibe warf. Die Einfachverglasung, die er wegen des Charmes der Wohnung immer verteidigt hatte, rächte sich nun. An der Innenseite der Fensterrahmen bildeten sich bizarre Eisblumen , die wie kristalline Farne emporwuchsen. Draußen war die Stadt ve...