Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland

Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland, der historischen Schmalspurbahn auf Rügen, ist eine nostalgische Zeitreise, die Entschleunigung mit authentischem Dampflok-Flair verbindet. Die rund 24 Kilometer lange, ganzjährig betriebene Strecke führt von der "Weißen Stadt" Putbus bis zum Ostseebad Göhren und bietet dabei malerische Ausblicke auf die vielfältige Insellandschaft.
Die Abfahrt in Putbus
Ihr Abenteuer beginnt im Bahnhof Putbus, einem zentralen Knotenpunkt, in dem es dank einer neuen Werkstatt und Fahrzeughalle viel Eisenbahntechnik zu entdecken gibt. Die Atmosphäre ist geprägt vom Zischen und Schnaufen der über 100 Jahre alten Dampflokomotiven, die mit einer Spurweite von 750 mm fahren. Die Waggons, darunter auch offene Aussichtswagen, sind liebevoll restauriert und laden zum Verweilen ein.
In Putbus besteht direkter Anschluss an das Normalspurnetz, und die Schmalspurbahn teilt sich auf den ersten Kilometern ein Dreischienengleis mit den Regionalzügen bis Lauterbach Mole, was die Anreise aus ganz Deutschland erleichtert.

Durch Alleen und Rapsfelder
Mit einem kräftigen Pfiff setzt sich der Zug in Bewegung und erreicht seine gemütliche Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Die Fahrt führt durch die hügelige Landschaft Rügens, vorbei an kleinen Haltestellen wie Beuchow, Posewald und Seelvitz. Besonders im Frühling säumen leuchtend gelbe Rapsfelder die Strecke, ein beliebtes Motiv für Fotografen, die oft am Streckenrand positioniert sind. Die Langsamkeit der Reise erlaubt es, die Natur in vollen Zügen zu genießen, ob im geschlossenen Abteil oder im offenen Wagen, wo man den Dampf und den Geruch des Waldes hautnah erlebt.
Die Bäderkette: Binz, Sellin und Baabe
Der Zug erreicht das mondäne Ostseebad Binz, wo in der Hauptsaison Zugkreuzungen stattfinden. Hier steigen viele Gäste zu oder aus, um die lokale Architektur oder den Strand zu erkunden. Nach dem Halt in Binz wird die Fahrt anspruchsvoller: Die Lokomotive muss sich bergauf in Richtung des Jagdschlosses Granitz mühen, was ein besonderes Klangerlebnis für Eisenbahnfans ist.
Die Strecke führt nun durch das dichte, frische Grün der Granitz, einem ausgedehnten Waldgebiet, das zum Biosphärenreservat gehört. Nach dem Wald erreicht der Roland die nächsten charmanten Ostseebäder. In Sellin, mit den Haltestellen West und Ost, ist die berühmte Seebrücke nicht weit entfernt. Weiter geht es nach Baabe, einem weiteren beliebten Badeort auf dem Weg nach Mönchgut.

Ankunft in Göhren: Das Ziel der Reise
Nach etwa eineinhalb Stunden erreicht der Zug den Endbahnhof Göhren. Das im Fachwerkstil erbaute Bahnhofsgebäude strahlt historischen Charme aus. Hier herrscht reges Treiben: Die Lokomotive wird abgekoppelt, über ein Umfahrgleis an das andere Ende des Zuges rangiert, mit Wasser versorgt und für die Rückfahrt vorbereitet.

Der etwa 30-minütige Aufenthalt bietet die perfekte Gelegenheit für einen kurzen Spaziergang zur nahe gelegenen Seebrücke, um die Ostseeluft zu schnuppern oder das bunte Treiben am Bahnhof zu beobachten. Die Rückfahrt, vielleicht in der Nachmittagssonne, rundet das Erlebnis ab und bietet neue Perspektiven auf die beeindruckende Landschaft Rügens. Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland ist ein absolutes Muss für jeden Rügen-Besuch, eine liebevoll erhaltene Tradition, die das Herz von Urlaubern und Eisenbahnliebhabern gleichermaßen höherschlagen lässt. 

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